Samstag, 14. Juni 2014

...ÜBER Fotos auf Festplatten

Neulich fuhren meine Eltern in den Urlaub.Beide reisen sehr gerne und kauften sich daher vor kurzem eine  Spiegelreflexkamera , einfach um bessere Fotos zu haben und wahrscheinlich auch ein bisschen weil die anderen Urlauber auch immer eine haben, natürlich mit einem 5m Teleobjectiv!

Doch damit fing auch schon die , ich nenne sie nun einfach mal Misere an. Mein Vater wollte so viele Eindrücke wie möglich festhalten und knipste alles und wenn ich schreibe alles , dann meine ich alles .
Analogfilm aus der guten , alten Zeit
Foto: Stataura über wikipedia.de
Von der Hinfahrt bis zu jedem Highlight der Reise , es ist wirklich (fast) alles dabei und das schlimme in doppelter und dreifacher Ausführung . Es wurde jedes Bild teilweise 2-5 mal ab gelichtet , damit ja das beste Foto dabei ist. So kam es, dass meine Schwester und ich uns vor ein paar Wochen mind. 2500 Fotos aus der Nordafrikareise anschauen durften. Natürlich geschah dieses nicht im klassischen Fotoalbum , sondern auf dem PC. Ich fragte daraufhin meinen Papa, warum er sich nicht die mühe mache und die schlechten Bilder aussortiere und das ganze in einem Fotoalbum "klassisch " herrichtet . Er antwortet trocken : " wofür denn , wenn ich Lust auf Tunesien habe, schalte ich mir den PC ein , schaue mir die Palmen an, dass muss reichen" . 

Ich war ehrlich gesagt sehr erstaunt über diese Aussage und konnte sie auch kaum verstehen. Gerade meine Eltern klebten früher alle Fotos fein säuberlich in Urlaubsalben und beschrifteten sie liebevoll. 

Ich persönlich Drucke zu 90% immer meine Fotos . Egal , ob sie auf dem iPhone schlummern oder sich auf einem anderen Speichermedium verstecken, zu groß ist die Angst das , das technische Gerät mal defekt ist und man alle Bilder verloren hat.

Auch mein Onkel teilt die Meinung meines Vaters , er geht sogar noch einen Schritt weiter, Fotos sind blöd . Er schaut lieber Videos , mit Fotos verbindet er nichts. 

Ich bin sehr Foto fixiert und liebe es in alten Alben rumzustöbern. Ich muss auch gestehen , dass ich kein eigenes Album im klassischen Sinne besitze. Scrappen , also so Scrappseiten könnten mich noch interessieren. Aber man braucht dafür eine menge Material, vielleicht wünsche ich mit so etwas mal zu einem Fest ;). Ich mache aber Projectlife, dies sind kleine Wochenhighlights, die man in Tüten steckt und so ein tolles Album mit Alltagssituationen hat. Die restlichen Fotos sind in einer Ikea-Box. Sie stören keinen und ich weiß sie sind da und wenn ich möchte kann ich sie in die Hand nehmen und in Erinnerungen schwelgen. 

Naja, nun zurück zum Urlaub meiner Eltern . Mir ist aufgefallen ,dass unheimlich viel Flair durch die "Digitalisierung" verloren gegangen ist. Warum ? 

Die fast dreißig ( gerne auch älter ) Generation geht nun mal tief in sich. Stell dir mal vor du bist vor 20 Jahren in den Urlaub gefahren. Dann bist du wahrscheinlich mit deinen Eltern vorher einkaufen gewesen, da man damals ja gerne mit dem Auto in ferne Länder gereist ist , musste eine menge Proviant gekauft werden. Irgendwann stand man dann auch kurz vor der Kasse , dort lag das wertvolle Zeug herum darunter Batterien, Videokassetten und Kamerafilme. Man kaufte natürlich eine Tonne Batterien und Mama stand vor den Fujifilmpaketen und fragte sich, wieviele Fotos braucht man wohl für diesen Urlaub ? Meine Eltern nahmen oft einen 36er Film , bzw. Sie nahmen zwei davon. So fuhren wir also in den Urlaub und hatten 72 Fotos für 14 Tage Urlaub. Das wilde alles aus allen Perspektiven fotografieren war nicht, also überlegte man sich gut, was , wen und wann geknipst wurde. Manchmal reichte der Film trotzdem nicht oder es blieben Fotos über, weil es einfach nicht soviel spannendes zum fotografieren gab. Zu Hause angekommen rannte man schnell in den Schlecker ( oder verknipste schnell die übrigen Bilder ) füllte die olle Fototasche aus und ging frohen Mutes nach Hause. Obwohl man im tiefsten inneren wusste , dass die Fotos nächste Woche erst fertig sind, ging man trotzdem jeden Tag wieder in die Drogerie um zu schauen , ob es doch schneller ging. Waren die Fotos da, war die Vorfreude groß , gierig wurde die Fototasche aufgeknibbelt und die Fotos begutachtet . Tja und dann ging das bestaunen los, da hatte man die Augen zu, da war eine Sehenswürdigkeit und ein Stück Finger drauf , dass war ein wenig verwackelt , ja das da ist ganz in Ordnung und dann kommt dieser Moment , wo irgendwas geknipste wurde, was man irgendwie schon vergessen hatte und genau dieses Foto ist perfekt . Auf einmal kannst du wieder den Sand unter den Füßen spüren und hast dieses Gefühl wieder im Urlaub zu sein. Ein unbeschreiblicher Moment, der dank toller Technik zu Nichte gemacht wurde. 


Natürlich hat das digitale so manchen Vorteil, aber möchte man seinen Urlaub damit verbringen ständig perfekte Bilder zu machen ? Vorallem, wenn sie eh nur auf Festplatten vor sich hinträumen und nicht wirklich geliebt werden. 

Bild aus der "Analogzeit ", Süly und ich in Italien, perfektes Foto
auch ohne Display und hundert mal neu aufstellen, so war der Moment und nicht anders  =) . Ich spüre noch heute den Sonnenbrand, wenn ich das Foto an der Wand sehe.
Ich habe mir fest vorgenommen eine "wegwerf" Kamera in meinen nächsten Urlaub mitzunehmen ? Warum ? Weil ich dieses unbeschreibliche Gefühl, bei dem einen Zufallsfoto wieder in meinem Bauch spüren möchte. Einfach was knipsen und nicht drüber nachdenken, ob alle gut auf diesem Foto aussehen oder das Licht optimal ist . Einfach genau diesen Moment einfangen, aber ohne Perfect picture zwang...

Ich danke fürs lesen und wünsche euch noch einen verknipsten Tag,

Eure Steffi =)  

Kommentare:

  1. Schöner Bericht. Wie wahr.....

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  2. also ich liebe digitale fotobücher. ist ne mischung aus neu und alt :) mache mir nach jedem urlaub eins bei DM. habe mir letztens sogar eins von meiner realschulzeit gemacht, die diesen sommer 10 jahre zurück liegt. habe 6 jahre in dem buch verpackt. habe nicht nur die fotos rein, sondern auch meine urkunden und kleine briefe und ähnliches aus der zeit eingescannt und ins buch gedruckt. eine wunderschöne erinnerung! mein nächstes projekt wird die grundschule sein. von der zeit habe ich leider nur 8-9 fotos, aber dafür einige klassenarbeiten und geschichten,die ich als hausaufgabe geschrieben habe. die werde ich einscannen und ebenso ein paar erinnerungen die ich an die zeit habe schreiben:)

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    1. fotobücher finde ich auch toll. ich habe vor ein paar jahren meinem freund auch mal eins geschenkt, aber ich war mit der quali nicht wirklich zufrieden und fand den vorgang echt nervig -.- . aber es ist auch eine tolle möglichkeit erinnerungen zu bewahren, vor allem themenspezifisch

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  3. Oh Steffi, mir geht es genau gleich. :( Ich bin sowieso eine Nostalgikerin und sehne mich sehr nach früher.
    Vor fast schon zwei Jahren waren meine Eltern und ich in Schottland und wir haben dort - so wie dein Vater auch - alles mögliche aus allen möglichen Perspektiven fotografiert. Noch immer schlummern alle Fotos (es sind insgesamt über 1000) auf meiner Festplatte und warten darauf, irgendwann ausgedruckt zu werden. Doch sie warten vergeblich.
    Zu Weihnachten haben mein Bruder und ich unseren Eltern ein Fotobuch mit den Urlauben der letzten Jahre geschenkt. Amsterdam, Schottland, Kefalonia... Alles war dabei. Natürlich ist dieses Buch schön auszusehen, mein Bruder und ich haben uns wirklich viel Mühe gegeben und viel Zeit investiert. Aber trotzdem fehlt mir dieses "Fotoalbumgefühl". Das Gefühl, das man empfindet, wenn man alte Bilder in der Hand hat, das Gefühl, das man empfindet, wenn man sich an diese Momente zurückerinnert, verträumt lächelt und zärtlich über die Bilder streicht. Alles das ist verloren gegangen. Und das stimmt mich schrecklich traurig.
    Seit Monaten denke ich jetzt schon darüber nach, eine Polaroid-Kamera zu kaufen, um wirklich nur die wichtigsten Momente im Leben festzuhalten. Momente, an die man sich noch Jahre später gerne zurückerinnert, die einem bleiben, nicht auf der Festplatte, sondern im Herzen.
    Ich finde übrigens deine "Projectlife"-Aktion richtig toll! :) Um meine Erlebnisse in Schottland festzuhalten, hab' ich selbst im DIY-Style eine Mappe gemacht. Ich hab' eine Art Tagebuch geschrieben, Postkarten, Kassenbons und Tickets eingeklebt, Titelblätter gebastelt und alles sorgfältig eingeheftet. Und glaub' mir eines: Ich find' die Mappe so viel schöner, persönlicher und liebenswerter als das Fotobuch. Deshalb möchte ich das auch bei den kommenden Urlauben fortsetzen. :)

    So, jetzt hab' ich sehr viel geschrieben, ich hoffe, das stört dich nicht. :) Es ist nur ein gutes Gefühl, wenn es da draußen Menschen gibt, die in dem technischen Fortschritt Nachteile sehen und persönliche Dinge, die dadruch untergehen, weiterhin schätzen und bewahren wollen. Toller Blogpost! :)
    Liebe Grüße
    Kathi <3

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    1. ich liebe es wenn man sowas wie du gestalstes. man kann soviele sachen verknüpfen und hat auch jahre noch soviele erinnerungen. ist natütlich ne ecke arbeit, aber es lohnt sich ja.

      ich finde fotobücher toll ( aber nur wenn sie gut gemacht sind) aber es ist für mich einfach nicht das gleiche wie ein "normales" fotoalbum. vielleicht sind wir auch zu sehr nostalgisch =)

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