Freitag, 11. Juli 2014

... ÜBER die Schaffermahlzeit und die Frauen

Heute las ich in einer Bremertageszeitung, dass am Schaffermahl hier in Bremen nun auch Frauen zugelassen sind.

Das Schaffermahl ist eine sehr traditionelle Angelegenheit. Dieses Treffen war "damals" ein Abschlussessen der Kaufleute und vorallem der Kapitäne. Zu diesem Brudermahl, wurden wir Frauen nicht geladen, warum denn auch? Wir fuhren vor 470 Jahren weder zur See, noch hatten wir sonst was zu melden. Daher waren Frauen quasi nicht erwünscht. Ich kann mich an eine Ausnahme erinnern und das war unsere Angie. Angela Merkel durfte zum Schaffermahl, da sie eine bedeutende Persönlichkeit in unserem Land ist.

Meine Schwester hat es als Frau geschafft, sie
war 2012 beim Schaffermahl als Kellnerin tätig. 
Nun haben sich die Zeiten ja zum Glück geändert. Wir Frauen üben heute gewiss auch Berufe auf den Meeren aus und wir haben auch viel zu sagen als "Kaufleute", doch muss es sein, dass wir nun so auf unsere Gleichberechtigung pochen, dass eine so lange Tradition gebrochen wird ? Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll das wir Frauen heutzutage so viele Rechte haben, ich finde es toll, dass wir "Männerberufe" ausüben dürfen und ich finde es toll das man uns oft gleichstellt, aber ich finde es nicht toll Traditionen zu brechen.

Das Schaffermahl ist eine Bedeutende Veranstaltung. Es ist eines der Aushängeschilder für die Stadt Bremen und jedesmal wenn ich von den Regeln des Schaffermahl erzähle ( z.B. keine Frauen ) wird gelacht, weil es so schrullig und skurril ist.

Es ist ja auch nicht so, dass die Frauen der Kapitäne ( und sonstigen wichtigen Persönlichkeiten aus Wirtschaft), nicht an diesem Tag im Rathaus sitzen dürfen. Die Damen sitzen in einem Nebenraum und feiern ihre eigene Party. Natürlich sind Monitore aufgebaut an denen sie das wilde Treiben beobachten und die Reden ihrer Männer hören können. Nach dem Essen kommen alle wieder zusammen und tanzen auf einem Ball. Die Frauen haben also einen kurzen Mädelsabend und die Männer ein ordentliches Brudermahl. Warum muss man nun diese Tradition ändern? Weil, es wohl Frauen in Bremen gibt die sich in ihrer Weiblichkeit missverstanden fühlen.

Schon seit eh und je herrscht Frackzwang. Wie sieht es damit aus, müssen die Frauen sich nun auch in einen Frack zwängen oder wird der auch abgeschafft nur damit der Feminismus ruhe gibt.

Ich weiss auch gar nicht warum Frauen so scharf sind zwischen Dutzenden Männern zu sitzen und sich bequalmen zu lassen. Rauchen können die wichtigen Herren nämlich wie die Weltmeister an diesem Tag. Pfeife, Zigarre, Zigaretten alles ist erlaubt was schön dampft. Ich hätte keine Lust den ganzen Abend in einer Raucherhöhle zu sitzen. Alleine wie die Haare danach riechen, pfui.

Dann das Essen. Es gibt heute immernoch die Mahlzeiten die vor 470 Jahren üblich waren. Bremer Hühnersuppe, Stockfisch, Kohl und Pinkel, Seefahrtsbier, Kalsbraten und zum "Nachtisch" Butt und Sardellen mit Käse. Lecker, aber nicht für einen modernen Frauenmagen ( glaubt mir, schon Kohl und Pinkel liegt wie ein Stein im Magen ).

Viele Konzerne machen wohl auch Druck, dass man endlich Frauen einladen sollte, da man sonst keine bedeutenden männlichen Vertreter mehr schickt. Es passt zu vielen Firmenphilosophien einfach nicht mehr eine Frau zu benachteiligen. Das ist wirklich toll, dass sich Firmen dardrüber Gedanken machen, aber dann ist das mit der Fraueneinladung ja eher eine Art Erpressung oder ? Das würde ich als Emanze auch nicht wirklich befriedigend finden, obwohl angeblich auch ein Teil der neuen Regelung von einer Frauenbeauftragte des Landes Bremen kommen soll ( da bin ich mir nicht ganz sicher ).

Ich finde es schade, dass Traditionen und Besonderheiten eines Bundeslandes geändert werden, nur weil sich ein paar Frauen diskriminiert fühlen. Es gibt kaum noch wertvolle Geschichtliche Traditionen über die man gerne spricht und die nicht in Vergessenheit geraten sind. Auch bin ich sicher, dass Männer sich manchmal auch benachteiligt fühlen und nicht so einen Aufstand machen würden.

Ich bin selbst eine Frau, zwar unbedeutend für die Wirtschaft und Seefahrt, aber ich habe mich nie diskriminiert oder angegriffen gefühlt, nur weil Männer bei der Schaffermahlzeit sich selbst gefeiert und bequalmt haben.

Was sagt ihr dazu, dass wir Frauen uns ständig "beweisen müssen" emanzipiert zu sein?

Ich hoffe ihr versteht diesen Post nichts als Beleidigung uns Frauen gegenüber, ich finde es nur wirklich merkwürdig, dass eine so alte Tradition umgeschrieben werden soll.

Ich danke für´s lesen und wünsche euch allen einen restlichen Sonnigen und emanzipierten Tag =),

Eure Steffi =)


Kommentare:

  1. Weil Feminismus Wahlfreiheit möchte. Damit sich eine Frau entscheiden kann, ob sie lieber zwischen qualmenden Männern schweres Essen essen möchte (sofern sie sich, genau wie die Männer dort, die Berechtigung erworben hat, am Schaffersmahl teilzunehmen) oder woanders einen leichten Salat. Weil es keine Tradition ist, auf die man stolz sein sollte, wenn man keine Frauen zulassen will, nur weil sie Frauen sind. Ist das Schaffermahl denn nicht mehr als der Ausschluss von Frauen? Gibt es da nicht noch mehr Traditionen, die immer noch geachtet werden und schön sind? Ich finde Traditionen schön und bin dafür, sie zu erhalten, aber eine Tradition, die zerbricht, wenn Frauen auch zugelassen werden sollen, ist doch keine Tradition, die unbedingt bewahrt werden muss, oder?

    Das Problem ist, dass sich die Stellung der Frau in der Gesellschaft zwar schon deutlich gebessert hat, aber man ist leider immer noch nicht da, wo man eigentlich hin will. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer bei gleicher Position und Arbeit, ebenso schaffen es weniger Frauen in Führungspositionen. 30% der Sprechrollen in Hollywood gehen an Frauen obwohl Frauen 50% der Kinokarten kaufen. Die bestverdiende Schauspielerin in Hollywood verdient einen Bruchteil von dem, was der fünfterfolgreichste Mann verdient. Die Darstellung von Frauen in Medien unterscheidet sich deutlich von denen der Männer. Psychologisch gesehen ist das insofern problematisch als dass es zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führt, denn eine Frau, die sich beispielsweise einen Werbespot ansieht, in dem Frauen in klassischer Geschlechterrolle darsgestellt wird, schneidet bei einem Mathetest deutlich schlechter ab als Männer, die den selben Werbespot gesehen haben. Ist es ein Spot ohne solche Geschlechterrollen gibt es keine signifikanten Unterschiede mehr. Aus meinem privaten Umfeld weiß ich, dass es selbstverständlich ist, wenn eine Frau mit ihrem Kind zu Hause bleibt, wenn ein Mann sich allerdings Elternzeit nimmt, weil das mit seinem Job leichter zu vereinbahren ist, erntet er Spott und Hohn. Das sind nur ein paar Beispiele.

    Ich finde auch, dass Traditionen etwas Tolles sind, aber nur solange man bereit ist, sie immer wieder zu überdenken. Und kann das Schaffersmahl nicht auch mit Frauen eine wunderbare Tradition bleiben? Inadäquat wäre es meiner Meinung nach, wenn man beispielsweise den klassischen Menüplan ändern wollen würde oder alle zwingen, sich mit Prosecco Sex and the City anzusehen. Aber ehrlich, das will doch auch niemand erreichen.

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  2. Bei uns in österreich wurde vor 2 jahren die hymne geändert..statt "heimat bist du großer söhne" zu "heimat bist du großer töchter söhne" .. reimt sich nicht mehr so schön..und ich als frau finde das unnötig..und singe die alte hymne ;)

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