Genau heute vor einem fuhr ich nach Hannover meinen kranken Freund besuchen. Auf dem Weg dorthin rief meine Mama mich früh morgens an. " Steffi, du darfst dich jetzt bitte nicht nochmehr aufregen, bleib bitte ganz ruhig, aber ich muss dir was sagen", sagte meine Mutter. Mein Herz machte mal wieder einen kleinen Aussetzer, der Monat Juli 2013 stand bis jetzt unter keinem guten Stern,
rückblickend würde ich sogar sagen, es war der schlimmste Monat in meinem ganzen Leben. Zu viele Hiobsbotschaften, zu viel Krankheit ,zu viel Angst. Ich spürte das meine Mutter immer nervöser wurde also riss ich mich zusammen und sagte "OK, ich höre". "Steffi, Kasimier ist seit Donnerstag nicht nach Hause gekommen, ich weiß du wirst jetzt böse sein, weil ich dir das erst jetzt sage, aber ich wollte dich nicht noch mehr belasten und dachte er ist vielleicht nur eine Runde länger als sonst gelaufen." Ich schluckte und beendete das Gespräch.
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Kasimier´s Suchplakat. Noch heute kann ich nicht fassen,
dass er verschwunden ist =( . |
Nun werden einige Fragen, wer ist denn Kasimier. Kasimier ist mein Kater. Er ist bei uns im (Eltern)-Haus geboren und wurde von uns allen sehr geliebt. Da er uns Menschen von der ersten Sekunde kannte, war er etwas sehr besonderes. Er hatte einen Bruder "Nepomuk", den haben wir zu einer Freundin, dessen Freundin gegeben. Mir war damals sofort klar, dass Kasi bei mir bleiben müsste. Er war ein Goldstück, man konnte alles mit ihm machen und er war so unfassbar zutraulich.
Als ich damals auszog überlegte ich wirklich sehr, sehr lange Kasimier mitzunehmen. Mein Herz hing so sehr an ihm, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Aber ich habe meine Liebe über meinen Egoismus gestellt, denn Kasimier war ein Freigänger durch und durch. Schon von klein auf an, bin ich mit ihm in den Garten gegangen und er hat sein Viertel erkundet. Daher war es eigentlich schnell keine Frage mehr , dass Kasi bei meinen Eltern wohnen bleiben durfte, denn ich wohne an einer dicht befahrenen Hauptstrasse und habe keine Möglichkeit ihn hier rauszulassen, außer auf den Balkon. Ich denke, damit wäre er niemals glücklich gewesen, er hat es geliebt Mäuse, Maulwürfe und sonstiges zu jagen. Somit ließ ich Kasimier bei meinen Eltern, ich wusste ja er hat da alles was er braucht und liebt.
Wenn ich meine Eltern besuchen gehe, laufe ich oft durch einen Park. Am Ausgang ( oder Eingang) , habe ich Kasi schon oft getroffen und wir sind zusammen zu meinem Elternhaus gelaufen. Auch meine Schwester erzählt heute immernoch , dass Kasi "oft nach der Schule, auf sie draußen gewartet hat". Doch so süß, der kleine Fratz auch war, hatte er eine schlechte Angewohnheit die im wahrscheinlich zum Verhängnis geworden ist, denn Kasimier stand immer an der Haustür und hat gewartet, dass er raus kann, dies tat er Tag und Nacht. Man konnte manchmal gar nicht so schnell schalten, wie der kleine Racker schon durch die Tür verschwunden war. Außerdem war er meistens auch fremden gegenüber immer sehr zutraulich, da er Menschen immer von ihrer netten Seite kennengelernt hat.
So kam es also, dass Kasimier am späten Donnerstagbend durch die Tür mal wieder huschte. Meine Mutter rief ihn danach noch ein paar mal, doch Kasi kam nicht mehr wieder. Es war das letzte mal das er gesehen wurde.
So saß ich also im Zug, mit einem Kopf sowieso schon voller Sorgen und Probleme und nun kam das dazu. Ich verkürzte meinen Hannoverbesuch und fuhr danach zu meiner Mutter.
Es bestand ja noch Hoffnung, Kasi war schon mal drei Tage bei den Nachbarn im Keller eingesperrt gewesen. Also lief ich los, mit Napf und Leckerlies und rief meinen Kater. Ich weiss nicht wie oft ich ihn gerufen habe und bei wievielen Nachbarn meine Familie geklingelt hat um zu fragen, ob sie Kasi gesehen haben und sie ihre Keller im Auge behalten könnten. Aber Kasi war wie vom Erdboden verschluckt. Mit jedem Tag an dem er nicht nach Hause kam, schwand ein Stück Hoffnung von unsere Seite. Es tat so unglaublich weh , dass man keine Ahnung hatte was mit dem Kleinen passiert war.
Im Internet kann man kostenlos sein Tier registrieren lassen und dann "Vermisstenanzeigen" drucken. Tasso stellt diese wirklich komplett kostenlos und rasend schnell her.
Mama und ich machten uns also auf den Weg und hingen in halb Bremen Plakate und Zettel auf. Doch es meldete sich keiner. Ich habe bestimmt 7132738 mal im Tierheim angerufen, 76189390192319 mal die ganzen vermisst und gefunden Anzeigen im Netz gewälzt, ich habe jeden kontaktiert, der eine schwarz / weiss gestreifte Katze gesehen / gefunden hatte. Aber es war jedesmal nicht mein Kasi. Es wurde immer schwerer die Sache schön zu reden und zu glauben, dass Kasi nur eine große Runde durch halb Bremen ziehen würde. Vor allem weil in der Nachbarschaft noch mehr Katzen Nachts verschwanden.
Einen guten Monat später bekam ich eine Nachricht von Tasso, dass Kasimier wohl gesehen worden war.Ich dachte ich drehe durch, denn ich war in Lübeck bei einer Taufe und sollte nun zwei Tage warten bis ich diesem kleinen Fellknäuel in meine Arme schließen konnte?
Sonntag fuhren wir daher sehr früh los. Das kuriose -Kasi sollte nur fünf Straßen weiter entdeckt worden sein. Mama und ich gingen also wieder los und klingelten bei der Dame die Kasi am schwarzen Brett im Nettomarkt erkannt hatte. Sie zeigte uns einen Wendeplatz, an denen Garagen an grenzten und beschwörte, dass Kasimier zu 99,99 % hier seit neusten durch die Gegend streifte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, da war sie wieder die Hoffnung.
Mutti und ich lagen im strömenden Regen stundenlang auf der Lauer. Wir riefen, pfiffen, raschelten mit Leckerlies aber nichts passierte. Irgendwann merkten wir, dass es keinen Sinn hatte und gingen nach Hause. Abends war es endlich trocken und wir wagten einen zweiten Start. Plötzlich kam uns eine Katze entgegen, eine schwarz/ weiß gestreifte. Schon von weitem erkannte ich, dass dies auf keinen Fall Kasimier ist. Nach langem grübeln, lockten wir die Katze zu der Dame die Kasi erkannt haben wollte und klingelten bei ihr. Sie machte die Tür auf und rief: "Jaaaaa, da ist ja eure Katze". Ihr könnt nicht glauben wie ich angefangen habe zu weinen.
Den ganzen nach Hauseweg weinte ich wie ein kleines Mädchen. Auch meine Mama hatte Tränen in den Augen. Es tat so weh, so verdammt weh, dass die einzige kleine Hoffnung nun auch zunichte gemacht worden war.
Danach hörte ich leider nichts mehr. Von niemanden. Kasi ist bis heute verschwunden. Noch heute schaue ich ob er am Eingang ( Ausgang) des Parks auf mich wartet, noch heute schaue ich bei meinen Eltern in den Garten und hoffe das er vor der Tür sitzt, noch heute wälze ich sämtliche Vermisstenportale in der Hoffnung den kleinen Strolch zu finden.
Manchmal lese ich im Netz, dass manche Katzen nach Jahren nach Hausegekommen sind. Mit abgelaufenen Pfoten, zerzaustestem Fell und einem Ohr. Aber auch das wäre mir mittlerweile egal, solange er wieder zu uns zurückkehrt und es gibt einem irgendwie noch immer einen kleinen Funken Hoffnung.
Nicht zu wissen, was mit einem Familienmitglied ( auch wenn es "nur" eine Katze ist) passiert ist, ist furchtbar. Ich wünsche dies keinem. Der Gedanke, dass Kasi irgendwo zu Tode gequält worden ist, von Tierfängern eingesperrt wurde oder vom Auto angefahren wurde raubt mir sämtliche Luft zum Atmen. ES TUT SO VERDAMMT WEH.
Vielleicht hat der Kleine sich aber auch wirklich böse verlaufen und ist bei einer anderen Familie untergekommen. Ich würde es ihm so sehr wünschen. Vielleicht gelingt ihm da ja die Flucht einfach nicht, weil es dort so schön ist.
Meine Schwester sagt immer, dass ich ein Verräter bin, weil ich Kasi gegen Fussel getauscht habe ( was ja so nicht stimmt), denn Fussel wäre sonst von einem Bauern erschlagen worden und das konnte ich ihr nicht antun.
Doch obwohl Fussel eine tolle Katze ist, die enorm viel von meinem Kasi hat, habe ich Kasi nie, nie aus meinem Herzen und meine Gedanken verbannt. Er ist immer bei mir und ich hoffe bis heute, dass ich ihn irgendwann mal wieder in meinen Armen halten kann und seinen wunderschönen Kasigeruch einatmen kann, denn ich vermisse ihn furchtbar...
Ich danke für´s lesen,
eure Steffi